2017/06/23

frederike frei, alexander zeit (zeid), klaus heid, pierre godot, felix schröder, dietrich albrecht (albrecht/d.), und vielleicht sogar throbbing gristle: eine sehr obskure kassette von 1981; nach allem was man so weiss...

auf der kassette heisst er alexander zeit, im internet ist er manchmal als alexander zeid zu finden, aber grundsätzlich ist er verschollen. in den frühen achtzigern jedenfalls war er der herausgeber der mindestens bis zur nummer zwei geratenen kassettenserie "hör-zeit" gewesen, und er war der herausgeber des magazins "quatsch"; zudem trieb er sich wohl in obskuren mail-art-zusammenhängen und im bereich der konkreten gesprochenen poesie herum; einige seiner spuren deuten zumindest in den südwestdeutschen raum, und zu allem überfluss war er offensichtlich ein freund von dem euch inzwischen sattsam bekannten stuttgarter post-fluxus-künstler albrecht/d., dessen werk und wirken hier und nebenan in der spurensicherung immer wieder defragmenterrorisiert werden, gute güte. ein paar weitere weiter in die irre führende hinweise gibt übrigens das auch ansonsten nicht zu unterschätzende münchener aap.

doch weiter: im nachlass von albrecht/d. haben wir auch eine handgefertigte kopie der kassette "hör-zeit 2" gefunden, ohne weitere hinweise auf eine tatsächliche edition oder sonstwas. auf der kassette sind bis dato unveröffentlichte und auch und gerade im nachhinein schwer bis unmöglich zu findende stücke von eben diesem alexander zeid, pierre godot (der auf discogs recht teuer gehandelt wird), frederike frei (die einige sicher noch mit ihren bauchladengedichten von den damaligen buchmessen kennen), klaus heid und felix schröder (in kollaboration mit frederike frei) zu finden; dazu kommen etwa 20 minuten musik von albrecht/d. unter seinem bürgerlichen namen dietrich albrecht, die für mich durchgehend klingen wie die mit throbbing gristle 1976 in london aufgenommenen improvisationen. einen nachweis gibt es für diese tatsache allerdings nicht.
die auf die kassettenhülle aufgeklebte trackliste ist irreführend und missverständlich; ich habe mich an einer neuen versucht. in der von mir beschriebenen reihenfolge sind die stücke dann auch im download zu finden:

01 - pierre godot - kleine robotertanzen über eine wiese
02 - albrecht/d. - interludium (mit tg, oder auch nicht)
03 - pierre godot - wir sind reich (direkt anhörbar)
04 - pierre godot - coming together
05 - alexander zeid und klaus heid - das seckelsyndrom
06 - albrecht/d. - interludium (mit tg, oder auch nicht)
07 - alexander zeid - diverse texte mit musik (vermutlich von pierre godot am anfang, und gegen ende mit a/d und tg)
08 - albrecht/d. - interludium (mit tg, oder auch nicht)
09 - alexander zeid - er
10 - albrecht/d. - interludium (mit tg, oder auch nicht)
11 - frederike frei - liebe (direkt anhörbar)
12 - albrecht/d. - interludium (mit tg, oder auch nicht)
13 - alexander zeid und klaus heid - finanzierung von quatsch (das oben erwähnte magazin)
14 - albrecht/d. - interludium (mit tg, oder auch nicht) (direkt anhörbar)
15 - frederike frei und klaus schröder - jazz (direkt anhörbar)
16 - albrecht/d. - interludium (mit tg, oder auch nicht)
17 - alexander zeid - letzte sätze (direkt anhörbar)
18 - albrecht/d. - ein langes stück (mit tg, oder auch nicht)

(mp3 / direct download)
 

2017/06/16

tübingen 1981; siemers macht schluss mit dieser ganzen "musik"

dieses tape habe ich letztens in meiner sammlung gefunden; solche ähnliche gibt es noch mehr. diese "siemers (van daale) studio action 1981" entstand tatsächlich 1981 in meiner studentenbude in der tübinger katharinenstrasse auf meinem heissgeliebten doppelspurradiokassettenrekorder mit vorgefundenem klangmaterial: kurzwellenklänge, nachrichten, die eigene stimme, cut-ups und überlagerte überlagerungen, schicht auf schicht, klangbrei auf klangmatsch, krach auf nochmehrkrach, an der grenze von zufall und beliebigkeit, bis die identifizierbaren unterschiede verschwimmen und ein graues rauschen entsteht, das die kritik an der eigenen existenz, und die kritik der überhauptnurmöglichkeit der eigenen existenz in sich trägt, darstellt, lächerlich macht, überwindet, und als einzig mögliche form der existenz eben mal so hinnimmt. das heisst also, dass hier jede form von musik akzeptiert und dem grauen einheitsbrei als verschwindendes element zugeführt wird; es gab weder vorher noch hinterher noch während des prozesses identifizierbare klangentitäten, und auch der entstehende einheitsklangmatsch ist teil des bestehenden einheitsklangmatsches.
die eigentliche "siemers (van daale) studio action 1981" ist etwa eine stunde lang; ich habe unbeabsichtigte hoch- und tiefpunkte eliminiert, und eine schöne halbe stunde für euch zusammengestellt; damit wäre dieser "musik"-quatsch beendet.

(links klicken zum anhören, rechts klicken zum download; die bilder nicht vergessen)   

 

2017/06/02

1974: die stuttgarter kickers singen euer lied, und erwin lehn tanzt dazu; so cool könnte der vfb niemals sein

für die liebhaber schräger schrecklichkeiten und die anbeter schröcklicher schrägness: unter der anleitung von erwin lehn, und begleitet von seinem südfunk-tanzorchester, singt die erste mannschaft der stuttgarter kickers zur feier des 75jährigen vereinsjubiläums 1974 mit vereinten kräften den "kickers song"; anschliessend spielen die begleitmusiker zur vergewisserung und verstetigung der eigenen realität noch den "kickers marsch"; beide stücke sind auf dem cover und auf dem label mal mit, mal ohne binde-trenn-striche; ich habe mich für die fiese schreibweise entschieden.
wir hören also beide stücke in einem aufwasch; die bilder, so ihr sie denn bunkern wollt, müsst ihr in einem gesonderten arbeitsschritt auf eure festplatte speichern. das anhören geht mit der linken maustaste, das speichern mit der rechten maustaste; versucht es doch mal!

(mit links anhören, mit rechts speichern; wie gesagt. und denkt an die bilder!)

 

2017/05/26

das radio-sinfonieorchester stuttgart unter der leitung von michael gielen spielt maurice ravel (1975) und charles ives (1973)

der dirigent michael gielen interpretierte damals mit den ihm anvertrauten klangkörpern eigentlich lieber stockhausen und kagel, als sich auf den gesicherten positionen der klassischen moderne des beginnenden 21. jahrhunderts wohlfeile meriten abzuholen; wohlwissend, dass auch kagel und stockhausen nicht mehr die speerspitzen der gesellschaftlichen befreiung der musik, beziehungsweise der musikalischen befreiung der gesellschaft, beziehungsweise irgendeines blablas sind, und auch niemals waren. aber immerhin hat man anfangs der siebziger seltsame bärte tragen können ohne im lager zu landen.
zwanzig jahre lang, von 1964 bis 1984, war michael gielen dirigent beim radio-sinfonieorchester stuttgart, und für sein werken und wirken im bereich der sogenannten neuen musik gebührt auch ihm eine skulptur in der allee, die den weg vom neckartor hinunter zum neckar führt; gleich neben rimbaud, verlaine, beckett, döhl, bense oder arno schmidt. und so ist es ja auch.
für diese aufnahmen-hier hat er sich erlaubt, die kompositionen von maurice ravel relativ traditionell einzuspielen; doch mit den stücken von charles ives haut er voll auf die kacke, und knallt sie als prae-industrial-noise durch die gegend. das ist geil, und so hatte ives sich das 1906 wohl auch vorgestellt: auf die fresse!
als taster und teaser und trigger gibt es jetzt 47 sekunden von maurice ravel; den rest solltet ihr selbst erkunden.

(mp3 / all scns included / direct download)

2017/05/12

franz schubert und johannes brahms live in holzgerlingen 1997

zum zweihundertsten geburtstag von franz schubert und zum hundertsten sterbetag von johannes brahms fand im schönbuch-gymnasium in holzgerlingen 1997 ein konzert zu ehren der beiden komponisten statt. zur aufführung kamen einige standards der geehrten, einiges an verstreutem, entlegenen material von schubert und brahms (eines der stücke von schubert hatte es ja sogar einmal - allerdings in der interpretation von dietrich fischer-dieskau - auf einen bootleg von nico geschafft), und ein moderater hauch hin zur neuen musik mit einer komposition von heino schwarting. insgesamt also eine solide, kaum über sich selbst hinausweisende veranstaltung; aber liebenswert.
hört euch doch nur mal eben kurz was von brahms (ungarischer tanz #18), von schubert (frühlingstraum), oder vom erwähnten heino schwarting (franz schubert grüsst robi aus dem jenseits) an; und dann könnt ihr das ganze konzert downloaden; ihr wisst ja wie das geht.

(mp3 / all scans included / direct download)

 

2017/05/05

rotorik:cell (the 1999 demo recordings for no time music plus some more)

wie kommt das denn jetzt hier=her?? das ist einfach und äh coumpliziert: also. rotorik ist wohl ein gewisser CS aus flensburg, der sich nach einigen jahren in diversen bands um 1999 konsequent und radikal neu erfand und umbenannte in rotorik; die gründe dafür lässt er im verborgenen. er war davor/danach/währenddessen ein teil der band TET, tauchte in diversen tekkNO- und illbient-zusammenhängen auf, und verschwand so gegen 2011 aus meinem blickfeld.
um das jahr 2000 herum vertrieb sich mein düsseldorfer freund argee gleim die zeit mit seinem mini-label no time music, das obskure veröffentlichungen ambitionierter beatles-imitatoren, klassischer streichquartette und aus der zeit gefallener traditionsjazzer neben knalllauten unverschämtheiten von tommi stumpff und überschrägsten acid-abweichungen von ziggy p. einer komplettignoranten öffentlichkeit um die ohren zu hauen versuchte; doch die arschlöcher wollten noch nicht einmal die platters oder ricky shayne hören. doch immerhin hatten sich in dieser zeit der oben erwähnte CS und der völlig unterschätzte tommi stumpff halbprovisorisch angefreundet, so dass die ersten demo-aufnahmen, die CS unter dem namen rotorik produziert hatte, als cd-r auf no time music erscheinen konnten. die ausgedehnten track-exkursionen konnten allerdings ihre schlagkraft im angesicht einer eher an offensichtlichem techno-gestampfe interessierten öffentlichkeit nie so recht entwickeln, und so verschwanden die frühen weiterverarbeitungen der bonnrepublikanischen tradition der kosmischen musik sogar aus den offiziellen diskographien von rotorik.
ob er sich selber nicht verstanden hat, oder ob es nur der ignoranz der eigenen tradition geschuldet ist, das sei dahin oder dorthin gestellt, und es ist auch völlig gleichgültig: sowohl das label als auch der musiker sind heute verschwunden, und die hinterlassenen spuren sind nur noch den eingeweihten fährtenlesern hinlänglich nahezu. 
ehe wir uferlos ausufern (ich erinnere mich immer noch gerne an "das andere ufer" in hannover, so um 1979 herum) kommen zum hören der folgenden aufnahmen zu hören: wir hören also die cd, und wir hören ein paar tracks von der homepage von rotorik zu hören, die seit 2011 nicht wesentlich aktualisiert wurde, und diese tracks stammen von einem live-konzert aus derdiedem muttertag auf der stuttgarter prag von 2001 hören und hören undatierte arbeitsaugnahmen zwischenergebnisse zu hören.

cd-r 2000
01 - cell studio
02 - cell live
03 - [cell:] the overdub
05 - conic device 1-3

live in stuttgart 2001
07 - speedlog02
08 - knochenjob

undatiert auf der homepage:
09 - vorticistbrunch
10 - pozytroniq

(mp3 / direct download)

2017/04/21

"die gesellschaftliche relevanz von musik" - eine diskussion aus dem jahre 1969; mit theodor w. adorno, dieter schnebel, ludwig finscher und hans g. helms

was wir heute-hier in grauenhafter klangqualität uns anhören, ist eine sendung von s2 kultur aus den frühen neunzigern des letzten jahrhunderts des letzten jahrtausends; ursprünglich wurde diese diskussion 1969 vom hessischen rundfunk gesendet, und irgendwann in den neunzigern wurde sie von paul fiebig für die sendung "musikliterarisches studio" auf s2 kultur wiederentdeckt, restauriert, mit musikbeispielen angereichert, und behutsam redigiert.

wir hören also dieter schnebel, hans g. helms, ludwig finscher und theodor w. adorno in einem theoriezentrierten gespräch über die gesellschaftliche relevanz von musik, und speziell über die relevanz der "neuen musik", deren relevanz für die umwälzung gesellschaftlicher prozesse, und deren rolle als antezepatorin der neuen gesellschaft (sowohl in der auswahl der produktionsmittel, als auch in der eutopistischen vorschau kommender gesellschaftlicher binnen- und aussenverhältnisse) damals leidenschaftlich umstritten war; heutzutage interessiert diese art der analytischen und ins jenseits der herrschenden verhältnisse weisenden diskussion keine sau mehr. die sau wird entweder nach kurzer qualmast als leberwurst oder kloreinigerbürste verwertet, oder sie erlebt als glückbringendes marzipanschweinchen ihre kurzlebige wiedergeburt. anyway; sie ist tot und süss und harmlos und tot.
dem war damals nicht so; und die diskussion über stockhausen musste nicht zwangsläufig die antisemitische version der diskussion über den besitz der banken und den besitz der weltherrschaft beinhalten; geblieben ist also ein stumpfer anti-intellektualismus, der zu blöde ist, sich überhaupt nachvollziehbar und halbwegs sinnvoll zu artikulieren. die okkupierung der hashtags im neuen schlagwortismus ersetzt die einverleibung der kritischen analyse, der zerrnerv-ende hinüberwegschwall des kunstsprechs, und die vernissagen- und uraufführungsbesessenheit ersetzen die intensive und geistvereinnahmende annäherung an die inhalte. und natürlich ist dieses-mein drüberherschwafeln exakt das, was es kritisiert und verdammt. sehr schön.

wir hören also jetzt knapp achtzig minuten dieses gespräches der vier erwähnten herren; die aufnahme habe ich im nachlass des stuttgarter postfluxuskünstlers albrecht/d. gefunden und nur marginal bearbeitet. der abrupte, unvermittelte beginn der aufnahme ist dem zustand des originalbandes geschuldet. beat your bbrains out.


(mp3; anhören linksklick; speichern rechtsklick, die bilder nicht vergessen; alles ohne werbung. interessant übrigens, dass albrecht/d. auf der kassette nur helms und adorno vermerkt hat, schnebel und finscher nicht)